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Bernhard Aichner dieses Buch auf den Darmstädter Krimitagen 2025 präsentiert hat.
Darum geht’s:
Yoko betreibt eine Glückskeksherstellung und ist auch privat glücklich mit einer Lebensgefährtin. Bei einer Glückskekslieferung wird sie Zeuge einer Tierquälerei und schaltet sich ein. Die beiden Männer verprügeln Yoko und missbrauchen sie in einem Waldstück. Die Männer drohen ihr mit dem Tod, falls sie zur Polizei gehen wird. Für Yoko zerbricht eine Welt, sie zieht sich zurück, bis sie sich dazu entschließt, ihre Opferrolle nicht weiter annehmen zu wollen. Sie beschließt zu handeln und Rache zu üben …
Meine Bewertung:
Bernhard Aichner setzte schon bei seiner „Totenfrau-Trilogie“ auf eine rachsüchtige Frau als Hauptfigur. Ihn beschäftigt als Autor, wie es Frauen gelingt, sich gegen die an Ihnen noch viel zu oft begangenen Gewalttaten zu wehren oder die handelnden Rollen zu verdrehen. Yokos Streben nach Zivilcourage bei Misshandlung des Hundes wird ihr zum Verhängnis und sie gerät in den Gewaltstrudel zweier Männer. Doch wie soll dies einer Glückskeksbäckerin gelingen?
Aichner gibt seiner Figur jedoch eine Vorgeschichte, denn sie ist in einem Metzgerhaushalt groß geworden. Sie lernte jegliche Geschicklichkeit und so kann ihr mit einem guten Plan die Rache gelingen. Aichner war schon in seinen anderen Büchern für seinen nüchternen, aber pointierten Schreibstil bekannt. In diesem Roman gelingt es ihm jedoch erneut auf besonders starke Art und Weise. Die Figur Yoko steht komplett im Fokus und wir sind ganz nah dran an ihrer Lebenswelt. Man spürt der Entwicklung ihres Glücks mit ihrer Lebenspartnerin nach und ist intensiv an ihren Erfahrungen beteiligt. Durch diese Nähe kann man die in ihr aufziehende Gewalt ebenso nachspüren. Yokos Hass und Rachsucht steigern sich in kleinen Schritten, begleitet von einem Mut, endlich zu handeln. Entscheidend hierfür ist, dass durch die Erlebnisse im Wald ein schon fast vergessenes Trauma wieder aktiviert wird. Bernhard Aichner schafft es, die Dramatik der Romanhandlung dosiert zu erhöhen, sodass man das Buch schwierig weglegen kann. Die Schilderungen der Gewaltszenen beschönigen die Brutalität nicht, sind zudem unglaublich intensiv. Der Roman nimmt uns mit auf eine Reise, in der wir als Leserschaft gezwungen werden, darüber nachzudenken, inwieweit hier Gerechtigkeitsvorstellungen verhandelt werden. Die Dialoge des Buches kommen ohne jegliche Anführungszeichen aus, es werden keine Stimmlagen beschrieben, trotzdem weiß man sofort, in welchem Tonfall die Figuren miteinander sprechen. Bernhard Aichner pflegt diese Stilistik bewusst, der Fokus auf Frauenfiguren ist ebenfalls bewusst. Die Psychologie der geschilderten Figuren dringt in mich beim Lesen und macht diesen Roman zu einem besonderen Erlebnis.

Bernhard Aichner im Gespräch bei den Darmstädter Krimitagen.
Mein Lieblingsmoment: Hier möchte ich tatsächlich auf keinen dramatischen Moment der Krimihandlung verweisen. Ich empfinde das immer wieder stattfindende Warten Yokos in einer Parkanlage auf eine unbekannte Person eine äußerst romantische Vorstellung. Sie versteckt in seltenen Fällen in ihren Glückskeksen einen Wunsch nach Zweisamkeit mit Angabe eines Treffpunkts und wird dann dort auch ihre Liebe treffen.
Mein Fazit: Dieser Roman begeistert mich abermals stärker, als dies der erste Band der Totenfrau-Trilogie getan hat. Ich finde, dass Aichner sein Schreiben in diesem Buch noch stilistisch gelungener zeigt. Der Roman hat eine hohe dramatische Intensität, ist ganz nah bei seiner Hauptfigur und ist deshalb ein intensives Lesevergnügen. Trotz der vorhandenen Gewalt sind die Figuren mit Tiefgang gezeichnet und machen aus diesem Buch einen fantastischen Thriller.
Autor:Inneninformation
Bernhard Aichner, lebt in Innsbruck und im Südburgenland. Nach seinem Germanistikstudium arbeitete er als Fotojournalist und Werbefotograf. Er schrieb mehrere Hörspiele und Romane, bis er 2014 mit seinem Thriller „Totenfrau“ den internationalen Durchbruch als feierte. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt, die «Totenfrau»-Trilogie von Netflix und dem ORF verfilmt.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Yoko
ISBN: 978-3-8052-0109-4
https://www.rowohlt.de/buch/bernhard-aichner-yoko-9783805201094